Schnarchen

Als Schnarchen wird ein während des Schlafes im Rachen erzeugtes Geräusch bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Blockade der Atemwege.

Die Geschichte des Schnarchens

Evolutionsgeschichte

Evolutionsgeschichtlich finden sich aktuell zwei konträre Ansätze über den Sinn und Zweck des Schnarchens. Erstere Theorie, u.a. von Franz Theiler vertreten, hält das Schnarchgeräusch als Überbleibsel unserer Urahnen zu Zeiten ohne feste, eigene Behausung zur Abschreckung vor Raubtieren. Der konträre Ansatz bezieht sich dagegen auf den Umstand, dass vorwiegend ältere und schwächere Mitmenschen mit einem besonders lauten Schnarchen gesegnet sind. Dadurch würden potentielle Raubtiere zwar nicht abgeschreckt, aber zuerst auf die Schnarcher aufmerksam, welche sie dadurch unfreiwillig für den Rest der Gruppe aufopferten. Nach dieser Theorie diente Schnarchen somit in den Urtagen als Selektionswerkzeug.

Kulturgeschichte

Bei der Betrachtung der kulturgeschichtlichen Wahrnehmung des Phänomens Schnarchen finden sich – je nach Epoche – unterschiedliche Wahrnehmungs- und Deutungsansätze. In der Antike galt Schnarchen als Laster. Es zeugte von der Pflichtvergessenheit des Schnarchers. Wer schnarchte, disqualifizierte sich für anspruchsvolle und v.a. Verantwortungsbewusste Tätigkeiten. Mit Beginn des Mittelalters wurde Schnarchen dagegen weitaus positiver kanonisiert. Schnarchen galt fortan als dekadentes, aber auch unheimlich vornehmes und vorbildliches, Zeichen von Muse, Müßiggang, Seligkeit und Lebensfreude. Ein Genussmensch barocker Prägung hatte das Privileg zu schnarchen. Völlerei und Schnarcherei gingen Hand in Hand, waren Geschwister im Geiste.

Das Buch vom Schnarchen

Der Bamberger Mediziner Berndt Rieger sammelt in seinem Buch „Das Buch vom Schnarchen. Kuriose Geschichten für Schnarcher und solche, die es ertragen müssen“ Anekdoten von berühmten Schnarchern (bspw. Johannes Brahms, Winston Churchill oder Orson Welles) und liefert einen detaillierten Überblick über die kulturgeschichtliche sowie die evolutionäre Geschichte des Schnarchern. In seinem kurzweiligen, unterhaltsamen Buch wildert er zudem in der Weltliteratur nach literarischen Zitaten zum Thema und wurde u.a. bei Miguel de Cervantes, Mark Twain Leo Tolstoi oder Emile Zola fündig.

Ursache des Schnarchens

Das als Schnarchen betitulierte Geräusch wird durch flatternde Bewegungen von Gaumen und Zäpfchen während des Atmens hervorgerufen. Mitunter greifen zudem auch Teile des Zungengrundes und/oder Rachens in den Schnarchprozess ein.

Schlafposition (bspw. Rückenlage) oder anatomische Besonderheiten, mitunter zurückzuführen auf Übergewicht oder genetische Veranlagungen führen zum Schnarchen. Auch Alkoholkonsum, Konsum von Betäubungsmittel, Beruhigungsmitteln, Schlafmitteln sowie einigen anderen Medikamenten oder Erkältungen begünstigen ebenfalls das Schnarchen.

Gelegentlich (z.B. durch oben genannte Gründe) schnarchen die meisten Mitmenschen; Männer jedoch häufiger als Frauen, ältere häufiger als jüngere. Einige Schnarchen jedoch auch permanent, mitunter dabei sogar derart laut, dass nicht nur andere, sondern auch der Schnarcher selbst massiv darunter leidet.

Folgen des Schnarchens

Unter dem Schnarchen leidet die Erholsamkeit des Schlafens, da das Schnarchen die immens wichtigen Traum- sowie Tiefschlafphasen einschränkt und stört (Mehr Infos zu Schlafphasen). Trotz, rein zeitlich, genügendem Schlaf, kann dies zu anhaltender Müdigkeit, Mattheit und Nervosität führen. Je nach Intensität des Schnarchens können auch Bluthochdruck, Beeinträchtigen am Herz-Kreislaufsystem sowie ein erhöhtes Infarkt- und Schlafanfallrisiko die unangenehme Folge sein.

Neben den eigenen, unangenehmen Folgen, kann Schnarchen aber auch den Partner belasten und zu Schlafstörungen des Partners führen. Auf jeden Fall nervt es Mitmenschen mit leichtem Schlaf, da es ihnen selbigen raubt. Mitunter leidet dadurch sogar die Stabilität und Harmonie der Partnerschaft.

Junger Mann schnarchend im Bett

Schnarchen kann die Partnerschaft beeinträchtigen. Zaretskaya | Dreamstime.com

Was lässt sich gegen das Schnarchen tun?

Einige, einfache und problemlos selbst praktizierbare Maßnahmen können helfen, dass Schnarchen einzudämmen, zu mildern und im Idealfall sogar – zumindest bei temporären Schnarchern – zu bekämpfen.

Einfachste und wichtigste Maßnahme zur Verhinderung des Schnarchens ist die richtige Schlafposition. Es empfiehlt sich  von einer Rückenlage abzusehen, da diese den Schnarchprozess begünstigt. Zudem erscheint es sinnvoll, eine Kopftieflage zu verhindern bzw. idealerweise sogar den Kopf hochzulagern. Spezielle Anti-Schnarch-Kissen helfen dabei (hier kaufen).

Auch der unmittelbare Alkoholkonsum vor dem Schlafengehen wirkt sich ungünstig auf das Schlafverhalten aus. Etwas komplexer gestaltet es sich dagegen bei Medikamenten. Falls gesundheitsunbedenklich möglich, sollte zudem neben dem Konsum von Alkohol auch auf die Einnahme von stark entspannend wirkenden Medikamenten unmittelbar vor dem Schlafengehen verzichtet werden. Manchmal führen zudem auch Allergien zu einem schnupfenähnlichem Schnarchen. Hier kann eine medizinische Behandlung der Allergie (entweder akut medikamentös oder aber durch Hyposensibilisierung) Abhilfe leisten.

Weitere Hausmittel gegen das Schlafen, haben wir auf dieser Seite gesammelt (klick).

Medizinische Hilfe

Führt dies alles nicht zu dem gewünschten Effekt der Schnarchreduktion, bleiben noch erfolgsversprechende medizinische Lösungsansätze. Zeichnet sich eine behinderte Nasenatmung (z.B. durch eine Nasenscheidewandverengung oder -krümmung) für das Schnarchen verantwortlich, bietet sich ein entsprechender chirurgischer Eingriff an.

Daneben gibt es auch noch andere, operative, allerdings auch irreversible Eingriffe. Die moderne Medizin bietet die Möglichkeit, Gaumen und Rachenschleimhaut zu straffen. Bei einer solchen Operation werden zudem auch häufig das Zäpfchen sowie die Gaumenmandeln entfernt. Die Erfolgsquote eines solchen Eingriffes liegt bei etwas mehr als 50 Prozent der behandelten Schnarcher. Mittlerweile ist entsprechende Behandlung auch als schonenderes Verfahren unter Verwendung eines Lasers möglich. Entsprechender Eingriff muss nicht stationär, sondern kann sogar ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Dabei konnte zudem die Erfolgsquote auf 60 bis 80 Prozent gesteigert werden.

Relativ neu ist dagegen noch die Radiofrequenztherapie. Mittels Sonden wird in das Rachengewebe vorgedrungen und durch Hochfrequenz das Gewebe bei Temperaturen um die 80 °C zum Verkochen gebracht. Dabei vernarbt und schrumpft der Gaumen, was zu einer Stabilisierung des Gewebes und im Idealfalle zu einer Verminderung oder sogar vollkommenen Reduzierung des Schnarchgeräusches führt. Mitunter lässt sich diese Methode auch mit der Entfernung von überschüssigem Gewebe am Gaumen und Zäpfchen kombinieren.

Als andere Optionen kämen zudem noch die etwas risikoreicheren und eher seltener erfolgversprechende Vernähung des Zäpfchens am Gaumen sowie die Stabilisierung des Weichgaumens durch Kunststoffstifte in Betracht. Manchmal hilft zudem auch eine operative Entfernung der Mandeln. Vorwiegend große Mandeln begünstigen nämlich das Schnarchen. Bei Nasenscheidewandverengungen oder -krümmungen hilft mitunter auch eine operative Begradigung der Nasenscheidewand.

Anstatt eine Selbstdiagnose zu wagen, ist es ratsam einen auf Schnarchen spezialisierten Mediziner aufzusuchen.

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